Worms-Ibersheim

1. Lage, Ortsbeschreibung, politische Zugehörigkeit

Ibersheim liegt inmitten einer landwirtschaftlich genutzten Auen- und Flusslandschaft. Dieses frühere Wörth (Strominsel) war früher ständig von Hochwasserkatastrophen bedroht. Durch die Begradigung des Rheins wurde die Überschwemmungsgefahr reduziert, große Siedlungs- und Ackerflächen entstanden, und die einst verbreiteten Fieberkrankheiten wie Malaria und Typhus gingen zurück. Die Treppen vor dem Haupteingang alter Häuser zeugen noch von den immer wiederkehrenden Überschwemmungen. Obwohl stets peinlich genau auf die Sicherheit der Hochwasserdämme geachtet wurde, kam es 1812 und 1824 zu verheerenden Katastrophen, bei denen die Häuser von Ibersheim wie auch die der anderen Altrheindörfer bis an das Obergeschoss unter Wasser standen. Der heutige Deich wurde 2003-2005 erneuert und deutlich verstärkt, um auch zukünftig dem Hochwasser Stand zu halten.

Der ehemals befestigte Ortskern hat einen etwa rechteckigen Grundriss, und abgesehen von einigen „Aussiedlerhöfen“ des 19. Jahrhunderts sowie wenigen anderen Ausnahmen ist er erst nach dem Zweiten Weltkrieg über seine alten Grenzen hinausgewachsen. Häuser und Wirtschaftsgebäude stammen weitgehend aus dem 19. Jahrhundert, doch im Kern ihrer Anlage gehen sie in das 18., teilweise in das 17. Jahrhundert zurück. Die Wohn­häuser grenzen an die wenigen Straßen. Nach hin­ten liegen die Wirtschaftsgebäude. Ein bestimmtes System in der Anlage der Höfe und der Straßen lässt sich nicht nachvollziehen, weil zu Beginn der Wie­derbesiedlung durch die Mennoniten →Gütergemein­schaft herrschte und später noch viele Gebäude ge­meinschaftlich genutzt wurden. Die Straßen im Ortskern sind alle gehsteiglos.

Die eigentliche Hauptstraße des alten Dorfkerns ist die Menno-Simons-Straße, die den Ort von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Etwa in der Mitte steht am Kirchplatz die Mennonitenkirche, weiter südöstlich folgen die alte Schule, das ehemalige Schloss und das Armenhäuschen. Letzteres diente zur Aufnahme von Fremden, denen die Übernachtung im mennonitischen Dorf untersagt war, und ist heute neben der Kirche eines der wichtigsten historischen Gebäude.

Seit der Ansiedlung der Mennoniten gehörte Ibersheim zur Kurpfalz. Im Zuge der französischen Revolutionskriege (1792-1807) wurde dieser Ort für mehrere Jahre französisch und gehörte zum Département du Mont Tonnerre (Donnersberg). 1816 kam Ibersheim zum Großherzogtum Hessen und gehörte nun zur neugegründeten linksrheinischen Provinz „Rheinhessen“, die nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des neu entstandenen Landes Rheinland-Pfalz wurde. Im Zuge der Verwaltungsreform 1969 erfolgte die Eingemeindung Ibersheims in die Stadt Worms.

2. Besiedelung durch Mennoniten und landwirtschaftliche Entwicklung

Ibersheim ist die älteste Mennonitensiedlung in der ehemaligen Kurpfalz. Um 1527 gab es auch eine kleine Gemeinde in Worms, die jedoch durch →Verfolgung verschwand (s. Sabine Todt, Kleruskritik, Frömmigkeit und Kommunikation in Worms, S. 297-320). Verfolgungen wurden auch 1527/28 in der Kurpfalz registriert. Daher ist davon auszugehen, dass die in Ibersheim siedelnden Mennoniten wahrscheinlich ab 1661 eingewandert sind. Sie kamen in ein Dorf, das erstmals 867 im Lorscher Kodex genannt wurde. Es war infolge des Dreißigjährigen Krieges aber vollständig entvölkert und weitgehend zerstört.

In seiner wohl wichtigsten Konzession hat der pfälzische Kurfürst Karl-Ludwig 1664 seine Siedlungspolitik verteidigt und gegen die geltenden Forderungen von Kirche und Staat klargestellt, dass er Bauern zum Aufbau benötige, auch wenn diese einem anderen Bekenntnis folgten als die Mitglieder der obrigkeitlich gestützten Kirche. Es gab jedoch zahlreiche Beschränkungen: So durften sich nicht mehr als 20 Personen versammeln, sie durften „niemanden zu sich hereinlassen“, und es wurde ihnen das Missionieren untersagt. Auch die Heirat war ihnen nur unter ihres Gleichen gestattet. Die engen Verwandtschaftsverhältnisse haben darin ihren Ursprung.

Die Sondersteuer von sechs Gulden, die jeder „Mennist“ zahlen musste, sollte wohl eher die Kritiker des Kurfürsten beruhigen. Beschwerden mancher Pfarrer oder Obrigkeiten aus der unmittelbaren Nachbarschaft führten bei der Regierung kaum zu Reaktionen. Zu profitabel waren die fleißigen Flüchtlinge für den Staat. Gleichzeitig schützten sie der Kurfürst und seine adligen Nachbarn, z. B. in Nassau, damit vor der immer noch drohenden Verfolgung und der Todesstrafe.

Die Mennoniten hatten einen schwierigen Stand bei der Kultivierung des verwilderten und sumpfigen Landes, zumal das Altrheingebiet auch zwielichtigen Gestalten als Unterschlupf diente. Deswegen kam es auch zu einigen tätlichen Übergriffen, bei denen der Kurfürst eingreifen musste. Das Räuberbildnis im oberen Fenster eines Anwesens unweit der Kirche in der Menno-Simons-Straße über den Wappen der ehemaligen Landesherren soll daran erinnern.

Am Anfang wurde das Land gemeinschaftlich bestellt, aber im Laufe des 18. Jahrhunderts zuerst in 6, dann in 12 und später in 24 Teile aufgegliedert bzw. unter 24 Familien aufgeteilt. Unter Kurfürst Karl Ludwig (1617-1680) bestand zunächst ein Vertrag, der zuließ, einen Hof in einem zwölfjährigen Temporalbestand zu pachten. Dies war im Vergleich zu anderen Ansiedlungen eine Sonderstellung, die die ersten Siedler aus dem Berner Gebiet für sich beanspruchen konnten. Bei Streitigkeiten mit der evangelischen oder katholischen Geistlichkeit ließ sich so ein besserer Stand behaupten. 1683 wurde zwischen der kurpfälzischen Kammer in Heidelberg und zehn Mennonitenfamilien ein Erbpachtvertrag abgeschlossen. Die Familien hatten jährlich zu Martini (11. November) 600 Gulden an den kurfürstlichen Landesschreiberei-Verweser in Alzey zu zahlen, ferner an den kurfürstlichen Magazin-Verwalter je 300 Malter Korn (Roggen), Gerste, Spelz und 200 Malter Hafer zu liefern. Außerdem waren zu einem gewissen bedingten Erbkauf 6000 Gulden innerhalb von drei Jahren zu bezahlen. Diese festen vertraglichen Grundlagen verschafften den Ibersheimer Mennoniten gegenüber anderen mennonitischen Siedlungen einen Vorteil. Der Erbpachtvertrag wurde in den Jahren 1745, 1753 und 1762 jeweils erneuert.

Da das Land ständig von Überschwemmungen bedroht wurde, waren enorme Anstrengungen zu seiner Kultivierung nötig. Um 1700 waren in der übrigen Kurpfalz ca. 250 mennonitische Familien ansässig, vor allem als Pächter größerer Güter. Die 24 Bauernfamilien in Ibersheim standen im regen Kontakt mit ihren Glaubensbrüdern und -schwestern und beschäftigten Ende des 19. Jahrhunderts 100 Knechte und Mägde. Die hohe Zahl der Arbeitskräfte resultiert aus der intensiven →Landwirtschaft und der Fremdlehre, die für die Söhne und Töchter der Mennoniten üblich war und somit einen ständigen Austausch mit anderen Siedlungen sicherte. Mit der Auswanderung, der Mechanisierung der Landwirtschaft und dem Wachstum der Industrie nahm Ende des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl von über 400 auf ca. 250 Menschen in Ibersheim ab. Die Zahl der evangelischen Bürger in Ibersheim stieg gleichzeitig auf über die Hälfte der Bewohner an.

1732 wurden bereits 56 Familien in Ibersheim gezählt. 1743 waren 166 Bewohner auf dem Ibersheimer Hof verzeichnet und 1792 eine ausführliche Statistik mit den Besitzern der 24 Teile des Hofes festgehalten. Insgesamt wurden 1972 Morgen Land bewirtschaftet (493 ha).

Durch die Begrenzung des Zuzugs und der Familienanzahl, aber auch durch Einschränkungen der Lebensweise sowie des Mangels an Ackerland wanderten viele Mennoniten aus. Wo immer sich Mennoniten niederließen, setzten sie neue Erkenntnisse in der Landwirtschaft schnell um. Die Ablehnung der landesüblichen Realteilung sicherte den langfristigen Erhalt der Höfe und verstärkte die Auswanderung. Die pfälzischen Gemeinden (→Pfalz) wurden durch Gemeinden im Ausland, vor allem aus der Schweiz und den Niederlanden, finanziell, aber auch mit neuem Saatgut, Tieren oder Geld unterstützt. So waren es auch Mennoniten aus den Niederlanden, die die ersten Runkelrüben gegen 1700 in die Pfalz brachten, wo sie fortan zur Ernährung von Mensch und Vieh mit wachsenden Flächen angebaut wurden. Napoleon konnte daher schnell den größten Rübenanbau in seinem Reich etablieren und Zuckerfabriken errichten. In Ibersheim wuchsen dreißig Jahre zuvor bereits ca. 25 ha Rüben.

Schon früh entstand aus der erzwungenen Isolation der Mennoniten der Austausch von Jugendlichen während der Ausbildung weit über die Grenzen des Dorfes hinweg in andere mennonitische Siedlungen. Der Austausch von Jugendlichen, die die Wirtschaftsweise anderer Betriebe kennenlernten, kann als frühe Form der Fremdlehre angesehen werden. Die bäuerliche Empirie und Rationalität bei den Mennoniten wurde nicht mehr von irrationalem Denken und Aberglauben begleitet. Ihre Außenseiterrolle befreite sie auch zum unbekümmerten Experimentieren. Außerhalb der Sonntagsruhe gab es nur wenige Feiertage.

Ebenso wurden Kindergärten gebildet. Damit konnten die religiöse Bildung und der Austausch von Wissen, Erfahrung, aber auch menschliche Kontakte vielfältig gefördert werden. Die Kommunikation bei den Gottesdiensten und gemeindlichen Treffen − oft über Landesgrenzen hinweg − wurde auch zu einem ständigen Austausch von praktischem Wissen und zur Vertiefung von Handels- und Familienbeziehungen genutzt. In der Folgezeit wird von „Agrarkaufleuten“ gesprochen, da sie vielfach neue Technik oder Praktiken in die Landwirtschaft einführten sowie Veredelung landwirtschaftlicher Produkte und deren Handel in bisher nicht bekannter Weise ausübten. Bereits um 1800 besaßen einige führende Landwirte in der weiteren Umgebung eigene Bibliotheken und galten als Agrarreformer Rheinhessens und der Pfalz (→Landwirtschaft).

Zur Zeit der französischen Herrschaft um das Jahr 1806 wurden die Ländereien von den Mennoniten käuflich erworben; und wenige Jahre zuvor erhielten die Mennoniten nach Verhandlungen das Bürgerrecht (1801).

Die Ibersheimer Gemeinde hatte bereits als eine der ersten Gemeinden in Süddeutschland ab 1843 einen hauptamtlich tätigen Prediger. In der Anfangszeit musste dieser zusätzlich als Bauer für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen. Da Ibersheim noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast nur von Mennoniten bewohnt war, hatte er im großherzoglich-hessischen Staatsgefüge zugleich auch die Aufgaben eines Ortspfarrers wahrzunehmen, wie sie andernorts von evangelischen oder katholischen Geistlichen ausgeübt wurden. Er hatte sich neben diesen Verwaltungsaufgaben (aus dieser Zeit stammt das erste Kirchenbuch der Gemeinde) auch um die Versorgung der sozial Schwachen zu kümmern. Die Mennoniten verfügten damit früh über eine soziale Sicherung, die schwere Not von Glaubensgeschwistern abwandte. Heute werden meist an einer Universität ausgebildete Theologen für die Gemeinden angestellt.

3. Entwicklung der Gemeinde, Prediger und erste Auswanderung

Zu Beginn durften sich nur zwanzig Personen zum Gottesdienst treffen. Offenbar sorgte das immer wieder für Proteste der Geistlichen in den Nachbardörfern. Nachdem ein Beobachter festgestellt hatte, dass 50-100 Personen zum Gottesdienst kamen, legte man gemeinsam dies so aus, dass mit der Konzession nicht zwanzig Personen, sondern Familien gemeint waren. Im Jahr 1671 wurde dann aber die Taufe eines reformierten Glaubensgenossen mit 100 Reichstalern bestraft. Auch auf dem Friedhof erhielten die Mennoniten nur einen bestimmten Platz.

Bis zum Jahr 1842 waren jeweils mehrere Gemeindeglieder für die Abhaltung des Gottesdienstes verantwortlich. Sie wurden aus der Mitte der Gemeinde gewählt. Es waren in der Regel drei bis vier Personen, von denen einer zur Ausübung des vollen Dienstes berechtigt war. Sie durften z. B. das Abendmahl austeilen sowie Trauungen und Beerdigungen vornehmen. 1842 folgten die Ibersheimer den Gemeinden Monsheim und Sembach und stellten einen Prediger an. Seit 1856 war dieser auch für die Gemeinden Ludwigshafen und Eppstein zuständig. Eine vertragliche Bindung existierte ab 1869. Von da an beschäftigte die Gemeinde alleine einen Pastor in einer Teilzeitanstellung. Die Gemeindegruppe Ibersheim-Eppstein-Ludwigshafen löste sich nach 140 Jahren am 30. Juni 2009 auf.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde 130 Mitglieder und 32 Kinder (Christlicher Gemeindekalender 1940, S. 124). Nach dem Krieg wuchs die Gemeinde durch Geflüchtete und Vertriebene erheblich an.

1985 umfasste sie 160 Mitglieder und 22 Kinder. 2018 waren es 122 Mitglieder im Alter zwischen 17 und 91 Jahren sowie 20 Kinder und Jugendliche. Wohnten zunächst alle Gemeindemitglieder in Ibersheim, sind dort 2018 nur noch etwa 20 Mennoniten ansässig (bei rund 700 Einwohnern). Der Großteil der Mitglieder wohnt in umliegenden Dörfern bzw. in dem Bereich zwischen Kaiserslautern und Aschaffenburg, Mainz und Neustadt/Weinstraße.

Wichtige Elemente der Gemeindearbeit waren bzw. sind der Kindergottesdienst (Sonntagsschule), Leseabend, Bibelkurs, Kirchenchor und die Jugendgruppe. Die Jugendarbeit wurde in den letzten Jahren noch intensiviert und 2015 zusammen mit anderen Mennonitengemeinden ein Jugendreferent berufen. Manche Veranstaltungen werden inzwischen gemeinsam mit der örtlichen evangelischen und zum Teil auch mit der katholischen Gemeinde im Rahmen der Ökumene durchgeführt.

4. Die Mennonitenkirche

Die Kirche wurde im Mittelpunkt des Ortes 1836 erbaut. An derselben Stelle stand bereits eine ältere Mennonitenkirche, die wohl aus dem frühen 18. Jahrhundert stammte. Vorher wurden die Gottesdienste in Privathäusern gefeiert. Da den Mennoniten von den Landesherren der Bau einer sichtbaren Kirche mit Glockenturm untersagt worden war, war die erste Kirche ein schlichtes Haus mit einem Versammlungssaal für Gottesdienste im Erdgeschoss und einem Schulraum. Gleichzeitig war im Obergeschoss auch das Rathaus eingerichtet und ein Wohnraum für den Schullehrer. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen wurde es 1836 möglich, eine Kirche mit Glockenturm zu bauen. Vor der Anschaffung der ersten Glocke 1806 musste mit dem Horn zum Gottesdienst gerufen werden. Diese Glocke versieht heute noch ihren Dienst auf dem Ibersheimer Friedhof.

Die denkmalgeschützte Kirche ist, den Glaubensgrundsätzen entsprechend, sehr einfach gehalten. Es ist ein Putzbau in schmucklosen Formen des Klassizismus, nach Südosten ausgerichtet, auf langrechteckigem Grundriss. Die Langseiten sind durch fast wandhohe, rundbogige Fenster gegliedert. Die Tür des Kircheneingangs hat ein rundbogiges Oberlicht mit der Inschrift „1836“. Die Ibersheimer Kirche ist die einzige Mennonitenkirche in Süddeutschland mit einem Glockenturm. Das heutige, aus zwei Glocken bestehende Geläut wurde 1866 feierlich eingeweiht.

Der Innenraum der Kirche ist ein einfacher Saal mit jeweils zwei Fenstern. Der Mittelgang führt direkt auf den Abendmahlstisch und die dahinter angebrachte Kanzel. Die Bänke auf beiden Seiten wurden bei der Renovierung 2012 nach dem Muster der alten Bänke gestaltet. 1972 wurde der ehemals steinerne Abendmahlstisch durch einen aus Holz ersetzt, entworfen und hergestellt von Fritz Kehr. Er trägt das Bibelwort „Gott sei mir Sünder gnädig“. Hinter dem Altar erhebt sich die Kanzel und, gleichfalls als Wandvertäfelung, ein raumhohes Kreuz, 1936 gestiftet, flankiert von den Buchstaben Alpha und Omega.

Die Orgel auf der schlichten, auf Säulen ruhenden Westempore stammt noch aus der früheren Kirche und wurde 1821 oder früher durch den Orgelbauer Philipp Christian Schmidt (Kirchheimbolanden), einen Schüler des Orgelbauers Stumm, geschaffen und zuletzt 2004 restauriert.

Nach Osten abgetrennt sind zwei übereinanderliegende Räume, die im Laufe der Jahre verschiedenen Zwecken dienten, so als Wohnraum der Kirchendienerin, Kindergarten, Rathaus und bis 1958 als Schulsaal. Heute werden sie als Gemeinde- und Jugendräume genutzt. Die Kirche wird auch von der evangelischen und der katholischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt. Die 2012 durch die Mennonitengemeinde durchgeführte umfangreiche Sanierung sorgte dafür, dass die Kirche auch in Zukunft Raum für Glauben, Leben und Erfahrungen von Menschen miteinander bietet.

5. Ibersheimer Beschlüsse

Zwei Konferenzen, an denen Prediger und Vorsteher süddeutscher Gemeinden teilnahmen und Fragen des Gemeindelebens behandelten, erlangten religionsgeschichtliche Bedeutung durch die „Ibersheimer Beschlüsse vom 5. Juni 1803 und vom 10. Juni 1805.“ Hier wurde versucht, noch einmal die Grundsätze der bisherigen Glaubens- und Lebensweise zu betonen, allerdings vergeblich. Die neu gewonnene Freiheit führte zu stärkerer Anpassung an die Umgebung. Auf der Konferenz von 1803 wurden 15 Artikel ausgearbeitet, die fast ausschließlich die „Gemeindezucht“ betrafen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den Kriegs- und Nachkriegszeiten Zucht und Ordnung in einem Maße abgeglitten waren, wie es die kirchliche Führung nicht gutheißen konnte. Auch das Alter der Täuflinge wurde auf mindestens 14 bzw. 15 Jahre festgelegt.

Auf der zweiten Konferenz wurde unter anderem das von Valentin Dahlem ausgearbeitete Formularbuch Handreichungen zu gottesdienstlichen Handlungen für den Prediger angenommen. Der Text gibt einen Einblick in das strenge, weltabgewandte Gemeindeleben der damaligen Mennoniten.

6. Mitgliedschaften der Gemeinde

Die Gemeinde ist Mitglied in der →Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Mennoniten (ASM), über diese in der →Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG), sowie im juwe (→Jugendarbeit), →Bibelheim Thomashof, →Mennonitischen Geschichtsverein und bei MenDia (→Mennonitische Hilfswerke in Deutschland) und unterhält vielfältige Kontakte zur lokalen Ökumene.

Bibliografie (Auswahl)

Karl Johann Brilmayer, Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Reprint der Ausgabe von 1905. Würzburg 1985, S. 232-234. - Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz/Saarland, bearb. von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Eckhard Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz. München 1985, S. 393. -Volker Galle, Rheinhessen, Entdeckungsreisen im Hügelland zwischen Worms und Bingen, Mainz und Alzey. Köln 1992, S. 104-105. - Kirchenchronik der Mennonitengemeinde. - Mennonitengemeinde Ibersheim (Hg.), 1661-1986: 325 Jahre Mennonitengemeinde Ibersheim; 1836-1986: 150 Jahre Mennonitenkirche Ibersheim. Worms 1986. - Irene Spille, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Bd. 10, Stadt Worms, Worms 1992, S. 242-245. - Sabine Todt, Kleruskritik, Frömmigkeit und Kommunikation in Worms im Mittelalter und in der Neuzeit. Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 103, Stuttgart 2005. - Adolf Trieb, Ibersheim am Rhein, Geschichte des Ortes seit den frühesten Zeiten, mit besonderer Berücksichtigung der Mennonitengemeinde, Worms 1911. - Ernst Wörner, Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen, Provinz Rheinhessen, Kreis Worms, Darmstadt 1887, S. 89-90. - Frank Konersmann (2010), Handelspraktiken und verwandtschaftliche Netzwerke von Bauernkaufleuten. Die mennonitischen Bauernfamilien Möllinger und Kägy in Rheinhessen und in der Pfalz (1710-1846) in: Mark Häberlein und Christof Jeggle (Hg.), Praktiken des Handels - Geschäfte und Beziehungen europäischer Kaufleute in Mittelalter und früher Neuzeit; Irseer Schriften, N.F. Band 6, Irsee 2010. - Christian Lang und Irene Spille, (2017), Worms-Ibersheim Rundgang durch ein Denkmal-Dorf, Rheinische Kunststätten Heft 561, 1. Auflage, Köln 2017. - Hildegard Friess-Reimann, Mennonitische Agrarreformer in Rheinhessen, Volkskunde als Programm. Updates zur Jahrtausendwende, hg. von Michael Simon und Hildegard Frieß-Reimann 1996. - Hans Ulrich Pfister, Der kurpfälzische Hof Ibersheim, in: Die Zürcher Täufer 1525-1700, Zürich 2007, S. 264-273. Zum Kirchenbuch: Gerhard Hein, Ein Kirchenbuch gibt Auskunft, in: Christlicher Gemeindekalender 1939, S. 92. - 2806. Bekanntmachung der Satzung der Mennonitengemeinde Worms-Ibersheim. Vom 23. März 2014, in: Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz. Amtliche Bekanntmachungen, Nr. 20/2014, vom 10. Juni 2014, S. 581 - 583. [Ohne Präambel und Sonderblatt zum Eid]

Christian Lang

 
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