Siebert, Julius

geb. am 17. Juni 1925 in Ostenfeld, Am Trakt/Russland, gest. am 22. Mai 1996 in Backnang/Deutschland; Ältester der Mennonitengemeinde in Karaganda/Kasachstan, Russland.

Julius war eines von neun Kindern der Familie Julius und Elisabeth (geb. Pauls) Siebert. Er wuchs in einem mennonitischen Dorf an der Wolga in der Kolonie Am Trakt auf und besuchte dort die Mittelschule. Sein Vater war Prediger und wurde 1930 verschleppt; die Landwirtschaft wurde der Familie abgenommen, so dass die Mutter sich allein mit den neun Kindern durchschlagen musste. 1938 kam der Vater noch einmal zurück, wurde dann aber nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in die Arbeitsarmee eingezogen, wo er vermutlich wie viele andere Männer umgekommen ist.

Die Familie Siebert wurde 1941 nach Sibirien verschleppt. 1942 wurde Julius Siebert im Alter von 17 Jahren in die Arbeitsarmee einberufen, wo er bis 1945 hart arbeiten musste. Nach seiner Rückkehr arbeitete er in einer Kolchose. 1952 heiratete er Juliana Wall; das Ehepaar hatte vier Töchter und fünf Söhne.

1958 zog die Familie nach Karaganda/Kasachstan, wo gerade erst eine Mennonitengemeinde entstanden war. Julius Siebert wurde zusammen mit vierzig anderen Täuflingen am 21. Juni 1959 vom Ältesten Heinrich Funk getauft. Die Gemeinde wurde für die Familie Siebert zur geistlichen Heimat, der Glaube an Jesus Christus zum Mittelpunkt ihres Lebens.

Am 21. November 1965 wurde Julius Siebert zum Prediger der Gemeinde gewählt. Bis 1969 versammelte die Gemeinde sich in Privathäusern, ab Juni 1969 durfte die kleinere Mennonitengemeinde (Kirchliche Gemeinde) sich im neu erbauten Bethaus der größeren Mennoniten-Brüdergemeinde versammeln. Am 6. Februar 1977 wurde Siebert zum Ältesten der Mennonitengemeinde gewählt. Bis 1980 leitete er die Gemeinde gemeinsam mit seinem Vorgänger ⇒ Jacob Tiessen. In den nächsten Jahren standen ihm mehrere Brüder als Prediger zur Seite.

Am 20. Mai 1984 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zum Bau eines eigenen Bethauses. Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit fand am 17. November 1985 die Einweihung des neuen Gemeindehauses statt. Das war ein besonderer Höhepunkt im Leben der Mennonitengemeinde in Karaganda und im Dienst Julius Sieberts. Die Gemeinde wuchs in dieser Zeit auf über 400 Mitglieder an.

Bald erkrankte Julius Siebert schwer. Ab 1987/88 durften viele Deutsche die Sowjetunion verlassen. Nach und nach zogen zahlreiche Mitglieder der Mennonitengemeinde in Karaganda nach Deutschland. Im April 1992 kam auch Siebert nach Backnang, Deutschland, wo er trotz seiner schweren Erkrankung noch die Gottesdienste der dortigen Mennonitengemeinde, deren Mitglied er bis zu seinem Tode war, besuchen konnte.

Im Mai 1996 starb Julius Siebert im Alter von siebzig Jahren in Backnang. Er war der letzte Älteste der Mennonitengemeinde Karaganda/Kasachstan.

Quellen

Erinnerungen der Familie Siebert. - Nachruf in: Der Bote, vom 10. 7. 1997.

Hermann Heidebrecht

 
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