Courgenay (Schweiz)

1. Gründung und Entwicklung der Gemeinde

Obwohl die →Täufer schon zu Napoleons Zeit in der Ajoie erwähnt wurden, wird die Anwesenheit einer mennonitischen Gemeinde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in dieser Region bezeugt. Seit 1895 wurden Gottesdienste im familiären Rahmen auf dem Hof von Isaak Gerber, Vacherie-Mouillard, oberhalb des Dorfes Courgenay, abgehalten. Die Gottesdienste wurden von den Predigern Isaak Gerber, La Pâturatte, und Heinrich Schmutz vom Hof La Lave (Frankreich) in der Nähe von Damvant geleitet. Auf Bitten einiger mennonitischer Familien, die in der Umgebung von Pruntrut (Porrentruy) wohnten, wurde ein Lokal in einer alten Ziegelei gemietet. Der Einweihungsgottesdienst wurde am 12. Mai 1918 gefeiert. Dieses Datum wird als Gründung der Mennonitengemeinde Pruntrut betrachtet. Die Gottesdienste in der Stadt Porrentruy wurden ab 1919 alternativ in Deutsch und Französisch durchgeführt. Zusätzlich fanden Versammlungen auf den weit verstreuten Höfen wie z. B. Mont-Russelin und Montvoie statt.

Trotz der unsicheren Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und der schmalen finanziellen Basis wurde am 15. August 1938 in Courgenay der erste Baustein einer Kapelle gelegt. Sie konnte bereits im Januar 1939 eingeweiht werden. Laut Predigtplan finden aber um 1970 noch immer Zusammenkünfte auf verschiedenen Bauernhöfen statt. Durch die Person des Ältesten Christian Schmutz besteht auch ein Kontakt zur Gemeinde Gross Lützel.

Ab 1976 werden gemeinsame Aktivitäten mit der neugegründeten Gemeinde →Vallée de Delémont durchgeführt, insbesondere zwischen Jugendgruppen und Chören. Diese Zusammenarbeit führte dazu, dass jährlich einige Gottesdienste gemeinsam abgehalten wurden. Seither wurden verschiedene Renovierungen an der Kapelle vorgenommen, innere Isolation (1977), Anbau (1989) und eine Veränderung des Kapelleneingangs (2014 zum 75. Geburtstag der Kapelle).

Herkunft, Anwesenheit und Aktivitäten der Mennoniten in der Ajoie lassen noch viele Fragen offen. Offen ist, ob auch Gottesdienste auf dem Hof La Vaux bei Roche d’Or durchgeführt wurden und wie lange Bestattungen im naheliegenden Friedhof stattfanden, auch ob sich um 1905 tatsächlich Mennoniten in einem gemieteten Raum des Hofes Schneider in Cornol trafen, und letztlich was verbindet die Mennoniten Gemeinde Pruntrut und die vom Ältesten Pierre Ramseyer-Richard aus Seigne (F) geleitete Mennonitengemeinde mit amischer Tradition.

2. Gemeindeleben

Wenn die Kapelle mit ihren ersten Räumen vorwiegend für Gottesdienste und Gemeindebegegnungen (Chorübungen, Gemeindeversammlungen, Komiteesitzungen, Gebetsversammlungen und Bibelkurse) bestimmt war, so kann der später vorgenommene Anbau für noch andere Begegnungen gebraucht werden. Neben den schon erwähnten Zusammenkünften können mit dem Einsatz der Frauengruppe jetzt auch Konferenzen, Konzerte, gemeinsame Mahlzeiten und Weihnachtsfeste für die älteren Gemeindeglieder stattfinden. Ebenso wird jährlich ein Missionsfrühstück angeboten, dessen Erlös für Missionsprojekte bestimmt ist.

Seit ungefähr fünfzehn Jahren organisiert die Gemeinde einen Wandertag: eine gute Gelegenheit, eine andere Mennonitengemeinde einzuladen, um die Gegend zu entdecken und einen Gottesdienst im Freien zu feiern.

Die Jugendlichen der Gemeinde besuchen die Glaubensunterweisung mit Jugendlichen anderer Mennonitengemeinden im Rahmen einer regionalen Zusammenarbeit des Katechismusunterrichts. Die Jugendgruppe hat sich seit einigen Jahren wieder der Jugendgruppe der Gemeinde Vallée de Delémont angeschlossen. In den Sommermonaten feiern beide Gemeinden vier bis fünf gemeinsame Gottesdienste.

3. Beziehungen zu anderen Mennonitengemeinden und Kirchen

Die Eglise évangélique mennonite de Courgenay ist Mitglied der →Konferenz der Mennoniten der Schweiz (KMS) und so auch mit der →Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) verbunden. In der Vergangenheit hat die Gemeinde Courgenay an regionalen Evangelisationsversammlungen teilgenommen. Seit 1990 wird der Akzent mehr auf Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche und der reformierten Kirche am Ort gelegt: Gemeinsame ökumenische Veranstaltungen und Unterstützung missionarischer Projekte, Durchführung der Woche der Einheit der Christen, Bibeltreffen und andere Veranstaltungen.

Anschrift der Gemeinde

Rolf Amstutz, Mormont 51, CH 2922 Courchavon/Schweiz

Bibliografie

Isaac Zürcher, Die Alttäufer im Fürstbistum Basel 1700-1890, in: Mennonitica Helvetica 15/16, 1992/93, S. 7-107. - Michel Ummel, Les anabaptistes et la conscription dans les arrondissements de Porrentruy et Delémont (Département du Haut-Rhin) de 1809-1813 : un regard dans la fabrique de l’historien, in: Mennonitica Helvetica 37, 2014, S. 141-164. - Groupement d’échange et d’études Hommes et terroirs du Clos du Doubs (GHETE), Heft Nr. 5 : Fermes et Familles Anabaptistes, Au Clos du Doubs 35, Rue de l’Oratoire, 25000 Besançon, 2004.

Théo Gerber

 
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