Fast, Johannes

geb. am 28. April 1886 in Mariental (Alt-Samara), Russland, gest. am 28. April 1981 in Dshetysaj, Kasachstan; Prediger in der Mennoniten-Brüdergemeinde.

Johannes Fast wurde in einer kinderreichen Bauernfamilie geboren, in die beide zuvor verwitweten Elternteile dreizehn Kinder aus den vorherigen Ehen mitgebracht hatten. Durch gemeinsame Kinder wuchs die Zahl der Kinder bis auf zweiundzwanzig an. 1892-99 besuchte Fast die Dorfschule. Mit 18 Jahren ging er in die Tischlerlehre bei seinem älteren Bruder. 1908 trat er den dreijährigen Forsteidienst in Groß-Anadol in Süd-Russland an. Hier erlebte er am 4. Mai 1908 seine Bekehrung und hielt 1910 seine erste Predigt.

1911-1913 lernte Fast in der Bibelschule St. Chrischona (Schweiz). Nach der Rückkehr in die Heimat wurde er Prediger in der Mennoniten-Brüdergemeinde in Alexandertal, leitete ihren Chor, gründete 1920 einen christlichen Jugendverein und übte eine rege Reisetätigkeit aus. Die 1913 mit Agathe, geb. Driedger, geschlossene Ehe endete 1926 mit dem Tod der Ehefrau; von den sieben Kindern aus dieser Ehe blieb nur eines am Leben. 1927 heiratete Fast Wilhelmine, geb. Enß. Diese Ehe dauerte bis 1976; auch aus dieser Ehe stammt ein Kind.

Der landesweite Kampf gegen die Religion ging auch an Fast nicht vorbei. An einem der Sonntage im März 1931, nach der Morgenversammlung, erhielt die Familie eine Verordnung über die bevorstehende Ausweisung. Zum Packen blieben ihnen vier Stunden. Die nächsten Jahrzehnte verbrachte Fast mit seiner Familie an verschiedenen Verbannungsorten im Fernen Osten, blieb aber vor Haft und Arbeitsarmee verschont.

1954 endete für Fast die Verbannung. 1955 zog er nach Temirtau (Kasachstan), von wo er als Reiseprediger die vielen verstreuten Gläubigen in Zentralasien, Sibirien und Ural besuchte, predigte, taufte und ordinierte. Fasts Tätigkeit lenkte den Unmut der Behörden auf sich, aber zu einer Haftstrafe für den inzwischen Siebzigjährigen ist es nicht gekommen.

1966 zog Fast an den Fluss Kuban, im Dezember 1967 ging es weiter nach Dshetysaj in Südkasachstan. Hier schloss er sich einer Gemeinde von Evangeliumschristen-Baptisten an, die größtenteils aus Deutschen bestand. Trotz hohen Alters und fortschreitender Blindheit wurde er den Predigern zugeordnet und setzte seinen Dienst fort.

1970 begann Fast mit einer schriftlichen Predigtreihe für die vielen Witwen in der Gemeinde. Diese Predigten wurden von den Leserinnen abgeschrieben und weiter gegeben. Bis 1975 entstanden auf diese Weise 57 Predigten. Die schriftliche Arbeit wurde fortgesetzt mit zwei Predigtkalendern und einer Sammlung von Gelegenheitspredigten. Damit lieferte Fast wohl die bedeutendste Schriftensammlung aus der Feder eines Mennoniten in der Nachkriegszeit in der UdSSR.

Literatur

Johannes Fast, Ströme des Segens, Lage 1998. - Ders., Er gibt dem Müden Kraft. 63 Predigten aus 1973-1978, Steinhagen 2004.

Johannes Dyck

 
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