Bainton, Roland

geb. am 30. März 1894 in Ilkeston, Derbyshire, England, gest. am 13. Februar 1984 in New Haven, Connecticut, USA; Professor für Kirchengeschichte an der Yale University und bedeutender Reformationshistoriker.

Roland Baintons Eltern waren der kongregationalistische Pfarrer James H. Bainton und Charlotte Blackham Bainton. Die Familie zog 1898 nach Kanada und von dort 1902 in die USA. Roland Bainton erwarb den Grad eines Bachelor of Arts am Whitman College, den Bachelor of Divinity und den Ph D (Dr. phil.) an der Yale University. Seit 1920 lehrte er an der Yale Divinity School, und von 1935 bis 1962 nahm er dort die Titus Street Professur für Kirchengeschichte wahr. 1921 heiratete er Ruth Mae Woodruff; aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Bainton gehörte zwei Konfessionen an. Er war ordinierter Pfarrer der kongregationalistischen Kirche und gleichzeitig Mitglied der Gesellschaft der Freunde (Quäker). Während des Ersten Weltkriegs bekannte er sich zum Pazifismus und leistete einen karitativen Ersatzdienst in Frankreich, der vom American Friends Service Committee unter der Schirmherrschaft des Roten Kreuzes betreut wurde (1918-1919). Sein ganzes Leben lang unterstützte er pazifistische Positionen und Organisationen, die sich um den Weltfrieden bemühten.

In Lehre und Forschung an der Yale University war er einer der bedeutenderen Reformationshistoriker. Als produktiver Autor veröffentlichte er 47 Bücher (inklusive einiger Übersetzungen) und hunderte von wissenschaftlichen Aufsätzen und Artikeln. Obwohl sich die meisten seiner Arbeiten auf Themen des 16. Jahrhunderts bezogen, reichte sein Interesse viel weiter. Es erstreckte sich auch auf Musik, Kunst und Karikatur. Vier Gebiete seiner wissenschaftlichen Arbeit ragen besonders heraus: (1) Forschungen zur Reformation, mit dem Höhepunkt der Biographie Martin Luthers Here I stand (1950), The Reformation of the Sixteenth Century (1952) und Erasmus of Christendom (1969); (2) Studien zum Täufertum und zum „linken Flügel der Reformation“. In verschiedenen Schriften stellte er die Täufer und andere Radikale des „linken Flügels“ als eine eigene und positiv zu wertende Form der Reformation neben den lutherischen und reformierten Zweigen der Reformation dar. Diese Konzeption des „linken Flügels“ war weit gefasst. Sie schloss die evangelischen Täufer ebenso ein wie die Dissenters Michael Servet, Sebastian Castellio, Bernardino Ochino und ⇒ David Joris; (3) Pazifismus, wie er sich im Laufe der Geschichte entwickelte, dargestellt in Christian Attitudes toward War and Peace (1960); und (4) religiöse Toleranz in The Travail of Religious Liberty (1951). Im Ruhestand vollendete er eine wichtige Studie in drei Bänden über Frauen in der Reformation. Er war ein begnadeter Schriftsteller, und seine Bücher erreichten ein weites Publikum. Zwei dieser Bücher, Here I stand und Church of our Fathers, erreichten jeweils eine Auflagenhöhe von mehr als einer Millionen Exemplare.

Bainton meinte, dass die Täufer viel zur Geschichte als Vorkämpfer für die Freiwilligkeitskirche, die Trennung von Kirche und Staat und Religionsfreiheit beigetragen hätten. So fanden seine Schriften und Interpretationen auch ein nachhaltiges Echo bei den Mennoniten, und viele Mennoniten zählten ihn zu ihrem Freund. Unter Reformationshistorikern aus anderen Konfessionen war er derjenige, der mit mennonitischen Konzeptionen übereinstimmte, besonders mit dem positiven Urteil über das Täufertum, den Pazifismus (→Frieden) und die →Toleranz.

Bainton hielt mit großer Zustimmung Vorträge und Vorlesungen in mennonitischen Colleges, er steuerte auch Artikel zur Mennonite Encyclopedia, mennonitischen Zeitschriften und zur Recovery of the Anabaptist Vision (1957), der Festschrift für ⇒ Harold S. Bender, bei. Zwei Mal hielt er die Menno-Simons-Lectures am Bethel College in Newton, Kansas. Sie wurden „begeistert aufgenommen“. Das eine Mal sprach er über „Sixteenth Century Anabaptism“ (1953) und das andere Mal über „Erasmus and the Reformation“ (1965). Bainton zeichnete sich dadurch aus, dass er die geistliche Substanz in allen Phasen der Reformation herausarbeitete, sowohl im Luthertum als auch im Reformierten- und im Täufertum. ⇒ Cornelius Krahn lobte Bainton dafür, dass er das Beste in Luther herausstellte (dessen Überzeugung vom sola gratia des Heilsempfangs), ohne den harschen Umgang Luthers mit den Täufern entschuldigen zu müssen. Baintons Geschichtsschreibung der Reformation förderte das Verständnis des Täufertums, und half vor allem, wie Krahn meinte, „ein besseres Verständnis Luthers, des Protestantismus und des Evangeliums“ zu erzeugen.

Werke (Auswahl)

The Left Wing of the Reformation, in: Journal of Religion, 1941,124-134 (reprinted in Studies on the Reformation, 1963). - The Church of Our Fathers, New York 1941. - The Martin Luther Christmas Books, Philadelphia 1948. - Here I Stand: The Life of Martin Luther, New York 1950. - The Travail of Religious Liberty: Nine Biographical Studies, Philadelphia 1951. - The Reformation of the Sixteenth Century, Boston 1952. - Hunted Heretic: The Life and Death of Michael Servetus 1511-1553, Boston 1953. - The Age of the Reformation (Anvil Original), Princeton 1956. - The Anabaptist Contribution to History, in: Guy F. Hershberger, The Recovery of the Anabaptist Vision, Scottdale 1957, 317-326. - Christian Attitudes toward War and Peace, New York 1960. - Erasmus of Christendom, New York 1969. - Women of the Reformation, 3 Bde., Minneapolis, 1971-1977. - Roly: Chronicle of a Stubborn Non-Conformist (Lebenserinnerungen), New Haven, 1988.-

Literatur

Franklin H. Littell (Hg.), Reformation Studies: Essays in Honor of Roland H. Bainton (Festschrift), Richmond, Virginia, 1962. - Steven H. Simpler, Roland H. Bainton: An Examination of His Reformation Historiography, Lewiston und Queenston 1985. - Cynthia Wales Lund, A Bainton Bibliography, Kirksville, Missouri, 2000.

Keith L. Sprunger

 
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