Dyck, Elfrieda Klassen

geb. am 10.März l917 in Donskaja, Neu Samara, Russland, getauft am 19. Juni 1938 in der North Ende Mennonite Brethren Church, Winnipeg (Manitoba), Kanada, gest. am 20. August 2004 in Scottdale, Pennsylvania, USA; Krankenschwester und Hilfswerksarbeiterin.

Elfrieda Klassen Dyck, eine Krankenschwester und Hilfswerksarbeiterin für das →Mennonite Central Committee (MCC), hat sich sechs Jahrzehnte im Dienst für andere eingesetzt. Sie wurde während der russischen Revolution als das jüngste von vierzehn Geschwistern in einer Siedlung an der Wolga geboren. Ihre Familie wanderte 1925 aus und ließ sich in Winnipeg, Manitoba, nieder. Der ältere Bruder, ⇒ C. F. Klassen, hat später eine wichtige Rolle in der Arbeit des MCC gespielt. Im Jahr 1939 legte sie ihr Examen am St. Boniface Hospital als staatlich zugelassene Krankenschwester ab und arbeitete darauf hin am Krankenhaus in Steinbach, Manitoba, und am Kinderkrankenhaus in Winnipeg.

Während des Zweiten Weltkriegs waren sie und eine andere Kanadierin, Edna Hunsperger, die ersten Krankenschwestern, die das MCC nach Übersee sandte. Trotz der Bedrohung durch Unterseeboote überquerten sie den Atlantik in einem Militärkonvoi von dreißig Schiffen. Elfrieda Klassen wurde in North Wales eingesetzt, wohin Jugendliche und kranke Kinder gebracht worden waren, um den Bombenangriffe zu entgehen. In England begegnete sie ⇒ Peter J. Dyck, einem Mennoniten ebenfalls aus Kanada. Sie heirateten 1944 und arbeiteten in einem Jugendlager in der Nähe Manchesters. Im darauf folgenden Jahr sandte das MCC Elfrieda und Peter Dyck nach Amsterdam, um dort für die Verteilung materieller Hilfsgüter zu sorgen. Dort richteten sie ein MCC-Zentrum in der Stadt ein und begannen, deutschsprachige Mennonitenflüchtlinge zu unterstützen, die aus der Sowjetunion geflohen waren.

1946 überwachte sie das Lager mennonitischer Flüchtlinge in Berlin, und ein Jahr später ging sie ins Lager nach Backnang bei Stuttgart, wo sie polnische Mennonitenflüchtlinge aus Galizien betreute. 1947 begleiteten die Dycks den ersten größeren Flüchtlingstransport, der Europa nach dem Krieg verließ. Sie reisten auf der „Volendam“, einem vom MCC gecharterten Schiff, um die Flüchtlinge nach Buenos Aires zu retten. Während der Überfahrt wurden mehrere Kinder geboren, ein Mädchen wurde Elfrieda und ein Junge Peter genannt, um das Ehepaar Dyck zu ehren. Im folgenden Jahr führte Elfrieda, dieses Mal eine Gruppe mennonitischer Flüchtlinge alleine auf dem Schiff „General Stuart Heintzelmann“ von Bremerhaven nach Buenos Aires. Kaum nach Deutschland zurückgekehrt, begleitete sie, dieses Mal auf der „Charlton Monarch“, eine dritte Gruppe im Mai 1948 bei der Auswanderung. Diese Überfahrt war abenteuerlich, litt unter Maschinenschaden und Zwietracht unter den Matrosen. Schließlich wurde das Schiff in Recife (Brasilien) eingedockt, um dort repariert zu werden, und Elfrieda Dyck arrangierte siebzehn Flüge, um alle 860 Passagiere zu ihren Bestimmungsorten in Paraguay zu bringen. Im Oktober 1948 begleiteten sie und Peter Dyck Mennoniten aus Russland, Polen und Deutschland, ebenso eine Gruppe von Hutterern, auf einer vierten Reise wieder auf der „Volendam“ nach Südamerika. Die Dycks beendeten diese letzte Reise mit einem seelsorgelichen Besuch bei den europäischen Mennoniten, die erst kürzlich im paraguayischen Chaco angekommen waren. Ihre Abenteuer mit der Wiederansiedlung von Flüchtlingen werden in dem autobiographischen Bericht Up From the Rubble (1991) und in dem beliebten Kinderbuch Barabara Claasen Schmuckers Henry´s Red Sea (1955) geschildert.

Während der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts lebten die Dycks in Moundridge, Kansas (USA), wo Peter Dyck als Pastor der Eden Mennonite Church arbeitete. 1957 kamen sie nach Frankfurt am Main in Deutschland. Elfrieda Dyck kümmerte sich hier um das MCC-Paket-Programm für Russland und ihr Mann leitete die europäischen und nordafrikanischen Programme des MCC. Ein Jahrzehnt später kehrten sie in die USA zurück und wohnten in Akron, Pennsylvania, wo sie weiterhin das MCC als häufige Redner und Geschichtenerzähler vertraten und wo Elfrieda Dyck wieder beruflich als Krankenschwester arbeitete.

Elfrieda und Peter Dyck zogen zwei Töchter groß und erfreuten sich an den Enkeln. Im Jahr 2000 reihte die Zeitschrift The Mennonite Elfrieda Klassen Dyck gemeinsam mit ihrem Ehemann unter die zwanzig einflussreichsten Mennoniten des 20. Jahrhunderts ein. Der Grund dafür war ihr bemerkenswertes Engagement in der Wiederansiedlung von Flüchtlingen und in der internationalen Hilfswerksarbeit. Elfrieda Dyck ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Bibliogaphie

Quellen (autobiographisch): Robert S. Kreider, Interviews with Peter J. Dyck and Elfrieda Klassen Dyck, Experiences in Mennonite Central Committee Service in Europe, 1941 - 1949, (Mennonite Central Committee) Akron, Pa., 1988. - Peter und Elfrieda Dyck, Up From the Rubble: The Epic Rescue of Thousands of War-ravaged Mennonite Refugees, Scottdale, Pa., 1991.

Literatur

Barbara Claassen, Henry´s Red Sea, Scottdale, Pa., 1955. - Marion Keeney Preheim, Elfrieda Dyck. Something Meaningful for God: The Stories of Some Who Served with MCC, hg. von Cornelius J. Dyck, Scottdale, Pa., 1981, 215-257. - 20 for the 20 th Century, in: The Mennonite, 22, Februar 2000. - Marlene Epp, Mennonite Women in Canada: A History, Winnipeg 2008. - C. A. W. Bos, Art. „Volendam“, in: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (28. 7. 2009) - Jakob Warkentin, Dienst im Namen Christi. Leben und Wirken von Peter und Elfrieda Dyck, Asunción 2010.

Rachel Waltner Goossen

 
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